Chronik der Musikvereinigung Welden bis 1959

Die volkstümliche Instrumentalmusik, insbesondere die Pflege der Blasmusik, hat in der Marktgemeinde Welden eine sehr lange Tradition. Der bisher älteste Hinweis auf eine Bläsergruppe findet sich – dank der eifrigen und aufmerksamen Studien des Heimatforschers und Ehrenbürger Ludwig Langenmair -  in einer Rechnung im Pfarrarchiv Welden aus dem Jahre 1764. Dort heißt es, daß die Musiker fürs Spielen 40 Kreuzer bekamen. Auch in den nachfolgenden Jahren ist dieser Vermerk eingetragen.

Im Urbarium der Pfarrkirche wurde eine Rechnung aus dem Jahre 1826 über den Kauf zweier Hörner gefunden. Es ist Interessanterweise davon die Rede, daß „die Waldhorn für den Pfarrchor“ beschafft wurden. Wörtlich heißt es dort: „Anno 1826 im Juli wurden zwei neue Waldhorn für den Pfarrchor angeschafft; daran wurden gegeben 6 alte Waldhorn und an Geld 18fl (Gulden). Der Bergmesner Joseph Feistle und der Nagelschmied Jakob Kotmeier haben auch daran bezalt, mit dem beding, daß sie diese Hirn (Horn) auch gebrauchen dürfen bey Tanzmusik; allein diese Hirn sollen doch allezeit ein eigenthum der Pfarrkirch bleiben.......

Diese Waldhirn sind mit bögen versehen und können aus allen Tönen gestimmt werden.“

Ein Randvermerk aus dem Jahre 1828 lautet: „Diese Waldhirn haben die Musikanten wieder ausgelöst anno 1828 und sind also jetzt Eigenthümmer dieser Horn“. Soweit Textzitat nach L. Langenmair.

Aus diesem Eintrag läßt sich folgern, daß (nachdem 6 Hörner in Zahlung gegeben wurden) schon vor 1826 eine Bläsergruppe bestand, wenn auch speziell für kirchliche Belange. Da jedoch die beiden Musiker einen finanziellen Eigenanteil leisten beim Kauf der neuen Hörner, mit der Bedingung, die Instrumente auch für Tanzmusik verwenden zu dürfen, dürfte klar sein, daß zu gleicher Zeit eine Musikkapelle bestand. Dies umso mehr, als Feistle und Kotmeier die Instrumente 1828 ganz auslösen und damit Eigentümer werden.

Zwar ist ein lückenloser Nachweis von Blaskapellen von 1764 bis etwa 1900 noch nicht möglich und erstellt, doch ist auf Grund der zentralen Rolle (und teilweise noch herrschafftlich bedingten Stellung) Weldens in der Vergangenheit anzunehmen, daß es immer (wieder) Musikanten gab, die bei allen möglichen Anlässen mitwirkten.

Einen unumstößlichen Beweis für die Existenz einer Kapelle um etwa 1860/1865 liefert kein Geringerer als der bekannte und gern gelesene Schriftsteller Ludwig Ganghofer (1855 in Kaufbeuren geboren, 1920 in Tegernsee gestorben), der einen Teil seiner Kindheit und Jugendjahre in Welden verbrachte, wo Vater August Ganghofer als Revierförster (1859-72) tätig war. In seiner Autobiographie „Der Lebenslauf eines Optimisten“ erzählt Ganghofer eine Reihe heiterer Episoden und Jugendstreiche und erhält damit ein Stück Ortsgeschichte mit vielen Details lebendig. Mehrfach kommt dabei auch die Blasmusik zu Ehren. „Damals in meiner Kindheit war Welden ein Ort mit 800 Seelen“, erzählt er und hält gleichzeitig fest, daß „der Gerber, der immer nach Eichenlohe roch und im Bürgermeisteramt der Nachfolger des allmächtigen Nagelschmiedes wurde, die C-Trompete blies“. Dieser C-trompetende Gerber als neues Gemeindeoberhaupt wird mehrmals im Laufe einiger Jahre erwähnt. Als Zehnjähriger erlebt Ganghofer eine Hochzeit mit einem recht verhängnisvollen Ausgang. Er schreibt rückblickend: „Nach der Trauung wanderte der festliche Zug hinter den dudelnden Trompeten und Klarinetten nach dem geschmückten Wirtshaus“. An anderer Stelle ist die Rede von einem Tafelspruch, von Böllerschüssen im Wirtsgarten, von Hochrufen auf das Brautpaar und „einem Trompetentusch, der die Ohren sausen machte“.

Ein undeutlicher Hinweis auf die Gestaltung des Musikunterrichtes (allerdings ohne nähere Artangabe) findet sich nach Angabe der Heimatforschung in den Annalen der Weldener Schulgeschichte. Danach hat der Schulmeister Bonaventura Hafner, der bereits 1724 die Stelle seines Vaters Jakob Hafner übernimmt, junge Knaben so auszubilden, daß sie „zu größerer Ehr Gottes bey denen haltenden Gottesdiensten und gewohnlichen Prozehsionen“ gebraucht werden können.

Ist die Heimatforschung bei ihrer Suche nach stichhaltigen Quellenangaben vor der letzten Jahrhundertwende in erster Linie  auf Zufälligkeiten und auf die Gründlichkeit damaliger Chronisten angewiesen, so ist der Nachweis der Blasmusiktradition mindestens seit 1910 eindeutig und mit zeitbedingten kurzen Unterbrechungen beinahe ohne Unterbrechung möglich. Auf Fotos aus dem Jahre 1910 präsentiert sich stolz und selbstbewußt eine aus acht Musikanten bestehende Blaskapelle anläßlich eines Vereinsfestes in der damaligen Bahnhofsrestauration. Die ältesten Mitbürger unserer Gemeinde wußten aber zu berichten, daß es auch schon in ihrer frühesten Kindheit, also auch schon vor 1900 Blasmusiker gegeben habe. Die mündliche Überlieferung in ihren Familien weist noch weiter zurück.

Diese erste im Bild im Jahre 1910 festgehaltene und namentlich genau bekannte Kapelle soll bis in die Anfänge des 1. Weltkrieges 1914/18 bestanden haben, bis sie dann kriegs- und kriegsfolgebedingt auseinandergerissen wurde.

 Im Jahre 1924 (nach der Inflation) erfolgte eine Neugründung. Benno Schönheits sammelte musikliebende junge Männer um sich, um eine Kapelle auf die Beine zu stellen. Von den zunächst siebzehn Interessenten blieben nach der ersten Probe allerdings nur noch vier Unentwegte übrig. Der zweite Anlauf brachte Erfolg. Der Neubeginn erfolgte mit neun Instrumenten unter der Leitung von Xaver Schönheits, der den Dirigentenstab von seinem Vater übernommen hatte. Die Männer, die damals den Grundstein der Kapelle legten, hießen:

Alois Kapfer     Josef Lechelmair         Xaver Meyerle         Johann Wurm     Xaver Schönheits Josef Finsterwalder         Alois Griechbaum            Georg Bergmeir              Josef Schönheits

 Wechsel in der Besetzung der Kapelle waren zu damaliger Zeit genauso üblich und notwendig (Abgänge, Zugänge, Aushilfen, Verhinderungen einzelner Aktiver) wie heute, so daß häufig neue Namen genannt werden. Voller Stolz berichteten die Gründungsmitglieder von 1924 von dem überaus großen Eifer in jenem ersten Jahr, der – heute undenkbar – zunächst allabendliche  Proben (natürlich in den Häusern der Musiker) zur Selbstverständlichkeit werden ließ. Erwähnenswert ist an dieser Stelle zudem, daß alle finanziellen Aufwendungen aus eigener Tasche beglichen werden mußten. So holten sich die Musiker am Josefstag 1924 selber mit einem Pferdegespann ihre neuen Instrumente in Dillingen ab. Die Kapelle war von Anfang an im weiten Umkreis sehr gefragt. Doch „geblieben ist vom Spielen nicht viel“, wußten die Mitbegründer Josef Lechelmair, Josef Schönheits und Alois Kapfer übereinstimmend zu berichten. Mit den Einnahmen wurden neue Noten und anderes Material beschafft. Eine einheitliche Kleidung war zu damaliger Zeit nicht üblich. Meistens wurden die Wege zu den Auftritten in den Nachbardörfern zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt, gelegentlich aber auch mit dem Weldener Bähnle. Weil aber die Verbindung naturgemäß auf die Musiktermine keine Rücksicht nahm, passierte es sogar, daß die Musiker nach dem Spielen in Hainhofen in einem Heuhaufen „übernachteten“, um so den Morgenzug nach Welden abzuwarten. Vor allem Tanz- und Unterhaltungsmusik wurde bei den Verpflichtungen im Markt Welden und im Bereich des gesamten „Holzwinkels“ und darüber hinaus gespielt, sei es bei Faschingsbällen, bei Hochzeiten, bei den verschiedensten Vereinsfesten oder kirchlichen Anlässen. Die musikalische Ausbildung der Bläser besorgte anfangs der Augsburger Musiklehrer Josef Bischof, der mit dem Zug nach Welden kam und nach dem Unterricht hier übernachtete. Die aufgewendete Mühe brachte rasch den erhofften Aufschwung, denn nach verhältnismäßig kurzer Zeit war die Kapelle in der Lage, allen Ansprüchen gerecht zu werden.

Besondere Verdienste um den Fortbestand der Blaskapelle erwarb sich fünf Jahre später Josef Schmalz, der 1929 die Leitung übernahm und das Ansehen der Bläsergruppe im ganzen Umland weiter zu steigern vermochte. Bis in die Zeit des 2. Weltkrieges hinein leitete er verantwortlich und mit großem Erfolg die Geschicke der örtlichen Blasmusik. Nach dem Krieg waren es in erster Linie Xaver Schönheits und Josef Lechelmair, die dem musikalischen Leben Weldens wieder neue Impulse gaben. Josef Schmalz nahm seine Dirigententätigkeit 1947 wieder auf. Romuald Eder stand in den Jahren von 1950 bis 1952 hinter dem Dirigentenpult. Von1952 an war es dann wieder Xaver Schönheits, dem die Leitung und Ausbildung der Bläser oblag.

In den nächsten Jahren stellten Nachwuchssorgen die weitere Existenz der Kapelle ernsthaft in Frage. Ein Ausweg aus dieser fast hoffnungslos gewordenen Situation mußte gesucht werden, und wurde schließlich auch bald gefunden. „In absehbarer Zeit wird es unter den jetzigen Umständen in Welden keine Kapelle mehr geben“, kommentierte 1958 Dirigent Xaver Schönheits den Ernst der Lage. Bürgermeister Johann Bergmeir verdeutlichte: „Sollte der Tag kommen, daß die Marktgemeinde nicht mehr über die Repräsentation einer Kapelle verfügt, dann bedeutet es ein Zeichen unverzeihlicher Passivität auf seiten der Einwohnerschaft. Die Garantie für das Weiterbestehen der Kapelle muß deshalb ein Anliegen der ganzen Bürgerschaft werden“.

Der Funke zündete! Im Mai 1959 trafen sich Bürgermeister Johann Bergmeir, dessen Stellvertreter Georg Ludwig, Hauptlehrer Ludwig Geus, Alfred Kränzle und Erwin Glückstein unter dem Vorsitz von Xaver Schönheits zu einer ersten Besprechung. Die Gründung eines Musikvereins sollte die Pflege und Förderung der volkstümlichen Blasmusik auf eine breitere Basis stellen. Bei einem Werbekonzert am 17. Juni 1959 anläßlich des 35-jährigen Bestehens der Kapelle wurde diese Idee von den Besuchern spontan aufgegriffen. 52 Personen trugen sich sofort in die umlaufenden Mitgliederlisten ein.

Damit stand der Gründung der Musikvereinigung Welden am 19. Juli 1959 im Gasthaus Hirsch nichts mehr im Wege.

In die erste Vorstandschaft wurden gewählt:

1. Vorsitzender:  2. Bürgermeister Georg Ludwig          2. Vorsitzender:  Xaver Schönheits

Schriftführer:      Xaver Wiedemann jun.                            Kassierer:            Josef Maier        

1. Beisitzer:      1. Bürgermeister Johann Bergmeir       2. Beisitzer:         Josef Grob          

Dirigent:             Hauptlehrer Ludwig Geus

  Mit der Gründung traten folgende aktive Mitglieder der Blaskapelle in die Musikvereinigung über und übergaben dieser den Restbestand ihrer gemeinsamen Kasse (198,53 DM), verschiedene Instrumente und Musikalien: 

Xaver Schönheits, Josef Schönheits, Alois Heichele, Josef Grob, Walter Schürer, Josef Schneider, Xaver Nadler, Erwin Glückstein, Benno Lechelmair, Xaver Wiedemann und Anton Ritsch.

Blaskapelle beim Jubiläumskonzert anlässlich der Vereinsgründung

Ein großes Anliegen unserer Vereinsgründer war, den Bestand der Blasmusik in Welden auch für die Zukunft zu sichern. Der stellvertretende Bürgermeister und Kreisrat Georg Ludwig übernahm damals die Führung des Vereins.

1961 wurde dann Mathias Elter zum Vorstand gewählt und es begann eine ungeahnte Blüte des musikalischen Lebens in Welden. Während dieser Zeit wurden  die bis heute tragenden Fundamente eines modernen Vereins gelegt.

1964 begann dann eine bis heute andauernde Konzerttradition an Weihnachten. Beim ersten Konzert stellte sich das Orchester in der noch heute aktuellen mittelschwäbischen Tracht vor.

Regelmäßige Konzert und Begegnungsreisen in alle angrenzenden europäischen Nachbarländer bewiesen, dass die Musik auch internationale Freundschaften ermöglicht. Schon 1965 begann diese Tradition der Auslandfahrten.

Ein weiterer musikalischer Aufschwung des Orchesters stellte sich 1968 durch die Teilnahme am Bezirksmusikfest in Welden ein.

1969 wurde der Musikvereinigung Welden die "Pro-Musica-Plakette" verliehen.

Schon bei der Vereinsgründung war die systematische Förderung und Ausbildung des musikalischen Nachwuchses ein wichtige Ziel.
So konnte 1969 eine eigenständige Jugendkapelle mit 28 Musikern gegründet werden. Noch im selben Jahr beim Weihnachtskonzert fand der erste Auftritt statt.

Eine weitere Bereicherung erhielt die Musikvereinigung Welden 1981 durch den gemischten Chor.

Der Marktrat Welden ernannte 1985 die Stammkapelle der Musikvereinigung Welden, die bis zu diesem Zeitpunkt den Namen "Holzhackerbuam" trug, zur Marktkapelle.

Das 30-jährige Jubiläum 1989 feierte die Musikvereinigung unter der Leitung von Erich Wetzstein mit einem einwöchigem Festival der Musik.
Die Weldener Stubenmusi erweiterte 1993 die musikalische Vielfalt. Mit besinnlichen Weisen bis hin zur alpenländischen und klassischen Musik verzaubert die Stubenmusi ihr Puplikum.

Einen schmerzlichen Einschnitt erlebte der Verein 1995 durch die Abspaltung eine großen Teils der damaligen Jugendkapelle. Diese Ereignis erschütterte den Verein bis auf die Fundamente.

Seit 1995 leitet Karl Rieder die Geschicke der Musikvereinigung Welden mit derzeit ca. 356 Mitgliedern und 106 Musikern.

1999, zum 40-jährigen Vereinsbestehen, fand dann der Hebauf für den  neuen Musikpavillon  statt. Gemeinsam mit der Gemeinde Welden, der Feuerwehr Welden und weiteren Vereinen entstand ein neues kulturelles Zentrum in Welden.
Die neuen Räume des Musikpavillon konnten dann im Herbst  2000 eingeweiht und bezogen werden und stellen seitdem das Zentrum des Vereinslebens dar.

 

 

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